TPS Empirismus

Der Begriff Empirimus (griech. "Auf Erfahrung beruhend") wird für

"Theorien gebraucht, welchen zufolge Wissen, verstanden als gerechtfertigte wahre Erkenntnis, zuerst oder ausschließlich auf Sinneserfahrung beruht." (Quelle: Wikipedia)

In der TPS ist unser Ansatz folgendermaßen:

Wie kommt man zu Wissen über den Kampf? Warum gibt es unnütze Trainingsmethoden und wie sind diese entstanden? Wie lassen sich Techniken überprüfen?

Es gibt unterschiedlichste Ansätze wie man auf Kampftechniken kommen kann. Durch Logik allein kann man nicht zur Weisheits letzten Schluss kommen, da die Prämissen oftmal falsch sind. In Allem was wir in der TPS technisch ausführen stellen wir uns die Frage:

Was würde man ohne jedes Training tun?

Daraus ergibt sich auch die Einteilung in Schlagen, Treten & Ringen die im Allkampf so wichtig ist. Zum besseren Verständnis gebe ich hier unsere "Raum der Zeit" Analogie wieder.

Stellen wir uns einen Raum vor, der etwa die Größe einer Turnhalle hat. In diesem Raum halten sich zwei Personen auf, die kämpfen lernen möchten. Beide Personen bleiben immer jung, haben das gleiche Gewicht & die selbe Statur und können sich selbst nach dem Kampf heilen. Die beiden Personen halten sich mehrere hundert Jahre in diesem Raum auf.

Da beide Personen keine Ahnung vom Kampf haben und auch nicht wissen, wie sie das üben sollen, beschließen sie Wissen anhand der Erfahrung zu erlangen. Beide wissen nicht, was passieren wird, also einigt man sich darauf keinerlei Regeln zu benutzen, weil man sich nach dem Kampf sowieso heilen kann.

Da es keinerlei Regeln gibt schlägt ein Kämpfer sofort zu und knockt den Anderen aus, der damit nicht gerechnet hatte. Nachdem sich dieser wieder geheilt hat, kommt man zu Erkenntnis, dass es günstig ist, doch lieber aus einer Entfernung und mit einem Startsignal zu beginnen um für Chancengleichheit zu sorgen.

Man dem Ruf "Kampf!" schlägt man sich über mehrere Jahre hinweg. Mit der Zeit erkennt man immer wieder die selben Muster. Schlagen, Treten & Ringen. Genauer: Wildes Armrudern, Schwitzkasten, Ein und zweibeinige Beinangriffe, Beißen, Haareziehen, Beinscheren usw.



Die Kämpfer erkennen, dass ein gewisses Verhalten, gewisse Bewegungen und die Art wie man schlägt sich positiv auf die Kampfleistung und somit die eigene Kampfkraft auswirken. Es werden also Techniken nicht erfunden, sondern man erkennt durch Erfahrung, dass gewisse Bewegungen vorteilhafter sind als andere.

Die gesamten Bewegungen sind ziemlich instinktiv und auch die Siege gleichen sich aus. Die Kampfbewegungen sind durch diese jahrenlangen Kämpfe auf die Praxis hin ausgelegt. Spektakuläre oder unpraktische Techniken werden sehr schnell ausgesondert, da es den beiden Kämpfern lediglich um Effektivität im Kampf geht.

Mit der Zeit kommen andere Menschen in den Raum und wollen von der Erfahrung der beiden profitieren. Statt den selben Prozess des Kampfes durchzugehen, stellen sie spezifische Fragen zu Angriffen.

Was mache ich, wenn mich jemand "so" angreift? Und wenn mich jemand "so" angreift? Mit der Zeit werden es immer mehr Personen, die von den Urkämpfern profieren wollen und immer mehr fragen. Um Zeit zu sparen überlegen sich die Urkämpfer für jede spezifische Frage eine spezifische Antwort.

Er würgt von vorne? "Macht die Technik X20"
Er greift von hinten das Handgelenk? "Mach die Technik Z34"

Mit der Zeit haben die Neulinge soviel Wissen über spezifische Fragen & Antworten gesammelt, dass sie das anderen Neulingen beibringen, die ebenfalls nie den Kampfprozess der Urkämpfer durchgemacht haben.

Nach dem stillen Post Prinzip verändern sich die Techniken immer mehr in verschiedenste Kampfkunstsysteme, wobei sich die Mitglieder immer auf die Urkämpfer beziehen, bei denen es ja auch funktioniert haben muss.

Mit der Zeit kennt niemand mehr die Urkämpfer persönlich, sondern nur vom hörensagen und je näher man dem Urkämpfer stand, desto höher wird der Rang in der Kampfhierachie vergeben.

Das ist der Weg, der oft in den Kampfkünsten zu finden ist. Es gab praktische Kämpfer und mit der Zeit wurden die Systeme verwässert und kulturell angepasst.



Unter dem TPS Empirismus verstehen wir grundsätzlich, dass jedes Mitglied so früh wie möglich sparrt, pummelt oder rollt um die wertvolle Verbindung zum "Urkampf" nicht zu verlieren, die jeder durchmachen muss. Wer sich alles erklären lässt, bleibt in einer gewissen Form unmündig.

Nicht Patentlösungen (spezifische Antworten zu spezifischen Fragen) sondern das Üben von Fundamenten und dem Wissen wie Menschen in Konfliktsituationen reagieren ist wichtiger als Techniken für die Laienselbstverteidigungen.

Alles was wir in der TPS in unserem Curriculum vermitteln geht zuallererst vom Urkämpfer in dem jeweiligen Szenario aus. Diesen "Raum der Zeit" kann man auf alle Techniken und Strategien (z.b. mehrere Gegner) übertragen.

Die Fragen die man sich stellen muss ist: Was mache ich ohne jedes Training?

Dieser Ansatz ist nicht neu, viele Systeme werben mit dem Abwehren von Angriffen durch "natürliche Reaktionen" nur um dann tote Bewegungsmuster zu trainieren.

Verhalten verbessern nicht verändern!

Wenn man wissen will, was real ist, dann ist der erste Weg dazu, selbst zu Urkämpfer zu werden: Sparring in allen Distanzen auch als Anfänger.

Verletzungsrisiko? Gering, wenn man weiß wie man mit Anfängern sparren muss.

Wir sind daher der Auffassung, dass jeder seine Technik unter Stress ausprobieren sollte auch wenn er noch gar keine Technik hat, da es Menschen gibt die sich ohne Training erfolgreich selbst verteidigen konnten.

Das heißt nicht, dass man als Anfänger nur Sparring macht und so die Technik lernt, sondern dass man möglichst früh sparrt und vor allem sehr geschickt sparrt, nach einer Zeigen und Isolationsphase.

Oft erkennt man damit Dinge, die man mit dem deduktiv-logischen Schlussfolgern nicht erreichen kann.