Der Selbstschutzplan

Der Selbstschutzplan ist ein Modell, mit dem man versucht eine Gefahr durch mehrere Vorstufen zu vermeiden, zu entkommen oder damit umzugehen.

Der Schlachtplan ist unser „Überallesplan“ der uns eine Handlungsdirektive für jede erdenkliche Situation gibt. Das heißt, egal in welcher möglichen Situation wir uns theoretisch befinden können, der Schlachtplan gibt uns immer das weitere Vorgehen vor.

Die Umsetzung des Schlachtplans im Training ist also das Ziel, wobei man zuerst zwischen drei Dingen differenzieren muss:

Das traditionelle Bild von Selbstverteidigung
Straßenkampf
Präventive Selbstverteidigung


  • Unter traditioneller Selbstverteidigung verstehen wir das idealistisch geprägte Warten auf einen Angriff, der dann mit einer passenden Technik gekontert wird. Dieser Ansatz wird vor allem von traditionellen Kampfkunstsystemen und in der Laienselbstverteidigung propagiert und stellt eine überholte Sichtweise da, die oft in der linearen Denkweise „Angreifer greift hier, ich kontere so…“ mündet.

  • Ein (Straßen) Kampf ist die degenerierteste Form eines (für uns aufgezwungenen) Duellkampfes, der länger als 3 Sekunden dauert und indem Schlagtechniken oft stark dominieren. Körperliche Attribute wie Größe, Gewicht, Kraft aber auch Aggressivität sind entscheidend, auch Kampferfahrung ist äußerst praktisch. Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung, dass es im Straßenkampf keine Regeln gibt, muss man sich (von Ausnahmen abgesehen) doch an Regeln, also das Notwehrrecht halten. Sich in einem Straßenkampf aus Kampflust zu beteilligen gilt nicht als Notwehr.

    Ein Straßenkampf ist weder "cool" noch anzustreben und kann schwere Folgen für uns bzw. für den Angreifer haben kann!

  • Unter präventiver Selbstverteidigung verstehen wir das präventive Verhindern von körperlichen Konflikten mittels Ausweichtaktiken, Deeskalationstechniken bzw. einer physischen Präventivtechnik unter Rücksichtsnahme auf das geltende Notwehrgesetz.
    Kampffähigkeiten sind hierbei völlig unwichtig, auch Gewicht, Kraft und Größe sind bis zu einem gewissen Grad irrelevant, da man in den meisten Fällen nicht kämpfen muss, wenn man sich geschickt dem Schlachtplan gemäß verhält.

    Wer keinen Schlachtplan hat, hat ein Problem.

Wir unterscheiden weiters zwischen 3 Szenarien:

Ritualkampf

Der Ritualkampf ist der defensive oder aggressive Dialog mit einem oder mehreren potentiellen (möglicherweise bewaffneten) Angreifer(n) in dem der Erstschlag meist kampfentscheidend ist.

Dieses Szenario kommt am häufigsten vor, weil man in den meisten Fällen mit dem Angreifer im Gespräch ist.


Beispiel für den Ritualkampf:

Angestänkert werden.
Streiterei um Parkplatz.
Drohung mit Raubabsicht.

 

Das Attentat

Das Attentat ist der Angriff von einem oder mehreren möglicherweise bewaffneten Angreifer(n) ohne Vorwarnung und ohne Dialog, (bis 3 Sekunden) bei dem man nur noch reagieren kann.

Man findet sich plötzlich in einer Situation wieder, in der man dem Angreifer völlig ausgeliefert ist. Aus der man sich, wenn überhaupt, nur mit größter Mühe herauskämpfen kann.


Beispiel für ein Attentat:


Spazieren gehen - Passant schlägt plötzlich zu.
Jemand sticht uns von hinten nieder.
Handtaschenräuber entreißt uns die Handtasche

 

 

 

Diese drei Szenarien muss man mit dem Schlachtplan abdecken können. Die vereinfachte Version des Schlachtplanes besteht aus den vier Eckpfeilern der Selbstverteidigung:

  • Aufmerksamkeit
  • Fence
  • Präventivtechnik
  • Reservesystem

  1. Aufmerksamkeit - Wer aufpasst, reagiert früher und besser!

    Die meisten Menschen erkennen eine Gefahr erst dann, wenn sie sich die Schlinge um ihren Hals bereits zugezogen hat. 90% aller Selbstverteidigungssituationen lassen sich vermeiden, wenn man rechtzeitig ausweicht und sein Ego zurücksteckt, was für viele Menschen (hauptsächlich Männer) jedoch ein Problem darstellt.



  2. Der Fence - Geschickte Distanzmanipulation.

    Der Fence ist grundsätzlich eine fließende Bewegung mit den Händen um Distanz zum Gegner aufzubauen, OHNE dass der Gegner dies bemerkt oder er sich provoziert fühlt. In diesem Eckpfeiler verhandelt man mit dem Gegner und versucht die Situation verbal zu entschärfen.
    Distanz im Gespräch halten ist in der SV äußerst wichtig. Dies wird oft übersehen und auch nicht geübt, weil es so einfach umsetzbar wirkt!



  3. Präventivtechnik - Wenns um die Wurst geht!

    Aktion gewinnt über Reaktion in der Nahdistanz. Das heißt, wer zuerst hart zuschlägt gewinnt in der Regel. Wenn wir keine andere Möglichkeit haben, den Konflikt zu lösen, dann setzen wir eine Präventivtechnik, ein um uns die Flucht zu sichern.



  4. Reservesystem - Die tatsächlichen Kampffähigkeiten

    Viele Kampfsportler trainieren hauptsächlich an ihrem Reservesystem herum, um sich selbst verteidigen zu können, jedoch ist das RS nur der allerletzte Ausweg, wenn man alles falsch gemacht hat.

    Es gilt: Gefahr erkennen, beurteilen -> Ausweichen. Hat man das verpasst, versucht man mit dem Fence zu verhandeln. Läuft dies schief und hat man keine Chance zur Flucht, setzt man eine Präventivtechnik aus dem Fence heraus ein.

    Ist der Gegner schneller /greift aus dem Hinterhalt an /verpatzen wir die Präventivtechnik - ERST DANN brauchen wir unser Reservesystem. Vorzugsweise hat man im RS gute Basisfähigkeiten im Stand, Clinch und Bodenkampf.

    Die Realität besteht aus wildem Schlagen und Zerren und oft landet man dabei am Boden. Deswegen gilt es, sich auf alle Distanzen vorzubereiten, weil man nie weiß, wo man landen wird.