Was trainieren wir?

Wir gehen davon aus, dass man alle Kampfsysteme in drei Bereiche einteilen kann: Schlagen, Treten und Ringen.

Alle Menschen beherrschen diese drei Bereiche von Natur aus. Natürlich sind wir darin nicht alle gleich gut und ein Meister ist hierbei nur einmal vom Himmel gefallen: Chuck Norris.

Diese drei Kampfarten findet man in den unterschiedlichsten Systemen auf der ganzen Welt wieder. Boxen zählt klar zu Schlagen, Kickboxen zu Treten und Schlagen usw.

In der TPS trainieren wir:



Schlagen

z.B.
Faustschläge
Handflächenschläge
Handballenschläge
Ellbogenschläge
Unterarmschläge
Kopfstöße

 

Ringen

z.B.
Haltegriffe
Würfe
Großgelenkshebel
Kleingelenkhebel
Luftwürger
Blutwürger

 

Und was ist mit Waffen? Trainieren wir auch mit Waffen?

Das STR Schema gilt auch für Waffen. Wozu könnte Messer zählen? Stock? Nunchako? Kobutan? usw.

Mit oder ohne Waffen gelten grundsätzlich die selben Prinzipien, wobei wir unsere Trainingszeit für Dinge einsetzen die auf alle Bereiche umlegbar sind. Wichtiger ist vielmehr in welchem Bereich wir uns bewegen wollen.

Generell unterscheidet man Kampfsysteme in drei Kategorien, wobei diese oftmals klischeetypisch sind. Es ist mehr als Faustregel zu sehen als eine wirkliche Einteilung. Jede Fraktion hat selbstverständlich ihre Gründe, warum sie das trainiert, was sie trainiert. Entscheidend ist jedoch, dass man weiß was jede Sparte leisten kann und woher das Wissen stammt bzw. wie dieses trainiert wird.

Je offener die Gruppe ist, desto höher ist die Chance dass man sich immer mehr darüber im klaren wird, was das eigene System (und noch wichtiger: man selbst) zu leisten imstande ist.

Nicht jeder Kampfkünstler schimpft über Kampfsport und nicht jeder der Selbstverteidigung trainiert, übt nur mit gestellten Partnertänzen. Alle erfolgreichen Wettkampfsportler trainieren jedoch mit Aliveness. In der folgenden Einteilung sieht man, was üblicherweise unter den verschiedenen Kategorien verstanden wird.

 

Kampfkunst

Verbindet man mit anmutigen Bewegungen, Formen, Tradition, Spiritualität, Techniken von Antiken Schlachtfeldern wo keine Regeln galten, Reinheit, Gesundheit usw.

Kampfkünstler haben oft keinen großen Anspruch an ihre Kampffertigkeit und verbinden mit ihrem Training gerne den Aspekt der Charakterschulung.

Schönheit der Bewegungen sind ihnen meist wichtiger, als der tatsächliche Nutzen was kein Problem darstellt, wenn sich die Interessen nicht vermischen.

Wer traditionelle Techniken nicht in den Kontext setzen kann, wird (ent)täuscht wenn er glaubt damit auch effektiv kämpfen zu lernen.

 

 

Selbstverteidigung

Verbindet man mit Techniken ohne Regeln. Kein Wettkampf weil die Techniken zu gefährlich sind, Szenarientraining, Waffen/Stock/Messerabwehr, Deeskalationstechniken usw.

Menschen die zu Systemen wechseln, die sich explizit als Selbstverteidigungssysteme anpreisen wollen oft (und oftmals könnten sie auch nicht) Wettkämpfe absolvieren, weil es "auf der Straße auch keine Regeln gibt".

Kampfsport wird als mit regelbehaftet und Kampfkünstler als veraltet angesehen. Der Anspruch, Selbstverteidigung zu trainieren geht mit einem gewisen Mindset als "Straßenkämpfer" einher, wobei man dann gerne mal eine Waffe mitnimmt um sich selbst schützen zu können.

 

 

 

 

 

Wo ordnen wir uns ein? Nun wir sind etwas von allem, aber wir unterscheiden nicht in diesen Kategorien sondern mehr nach Wahrscheinlichkeiten und wie man für etwas trainieren muss.

In der TPS wollen wir zuallererst einen gesunden Zugang zum Thema haben. Fakt ist, dass man sich in Österreich statistisch sehr sicher fühlen kann. Anders als in manchen Orten in Israel oder in amerikanischen Ghettos leben wir in einem sicheren Land.

Nichtsdestotrotz ist das Thema Selbstverteidigung sehr interessant und eine hervorragende Möglichkeiten sein eigenes (Sozial)Verhalten zu reflektieren. Die TPS - die Trainingsgemeinschaft für präventive Selbstverteidigung drückt in ihrer Selbstbeschreibung den Anspruch aus, präventive Selbstverteidigung zu trainieren.

Wie baut man für ein SV System sein Curriculum auf? Bedient man sich anhand von Vorwissen oder versucht man, jede mögliche Situation (Griffe, Würger, Messerabwehr, Pistolenabwehr, Schlagringabwehr, Verteidigung mit Regenschirm, Verteidigung mit Handtasche usw.) abzudecken?

Dazu gibt es unzählige Ansätze und Ideen. Der traditionelle Zugang ist oft, Abwehren gegen alle möglichen Gewandgriffe im 3Sekundenkampf zu vermitteln. Dies erfolgt nach dem Linienmodell, dass in sich logisch erscheint.

"Nehmen wir an, der Gegner greift uns!"

Anhand des Linienmodelles erhält man dann für jede möglich Angriffstechnik eine Kontertechnik. Dieses könnte folgendermaßen aussehen:

Handgelenksgriff frontal linke Hand, rechte Hand -> Technik HGG F LH links
Handgelenksgriff beidseitig frontal -> Technik HGG BF
Handgelenksgriff diagonal linke Hand, rechte Hand
Handgelenksgriff frontal linke Hand (Verteidigung gegen Griff in die Doppeldeckung)
Handgelenksgriff frontal rechte Hand
Gewandgriff frontal linke Hand, rechte Hand
...
Einhändiger Würger von vorne
Einhändiger Würger von vorne mit Bizepsgriff
Beidhändiger Würger von vorne -> Technik "KM 1"
Beidhändiger Würger von hinten -> Technik "XY"
Beidhändiger Würger von der Seite
...
Pistolenbedrohung von vorne, Kopfhöhe
Pistolenbedrohung von vorne, Brusthöhe

Und so weiter und so fort.

Wenn man nach dem Linienmodell trainiert, wird oft versucht ähnliche Angriffe mit ähnlichen Techniken zu kontern um möglichst wenig überlegen zu müssen. Obwohl dieser Ansatz natürlich eine gute Idee ist, verändert sich dadurch das Problem des Linienmodelles nicht, welches der Fokus auf Einzeltechniken ist, bei dem der Gegner genauso angreifen muss (was dann fatal ist, wenn der Gegner etwas unterwartetes macht).

Das Linienmodel hat jedoch den enormen Vorteil, dass man Techniken in einem Curriculum äußerst leicht ordnen und unterrichten kann. Das ist auch der Grund, warum im militärischen Nahkampf tote Bewegungsmuster gefahrlos gezeigt werden können, da im Nahkampf weniger die Technik sondern mehr die Aggressivität zählt.

Wenn man simple Lösungen zeigt, fühlt sich der Trainierende kompetent genug diese auch unter Stress einsetzen zu können. Jedes Kampfsystem hat seine "Räubergeschichten" vom effektiven Einsatz ihrer Techniken und auch für das unpraktischste System gibt es (kampf)erfahrene Personen, die auf die Effektivität ihres Systems schwören. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Für den Aufbau eines Curriculums stimmen auch Vertreter des Linienmodelles zu, dass man man sich zuerst auf Fundamente konzentrieren muss. Diese bilden die Basis für alles weitere.

Wenn man jedoch von falschen Vorraussetzungen ausgeht, dann wird auch das Curriculum unrealistisch. Wer glaubt, dass man im Affentanz des 3Sekundenkampfes (Zwei Männer stänkern sich gegenseitig an), isoliert das Handgelenk gegriffen wird und man sich dann nur noch mit einer spektakulären Handbefreiung befreien muss, geht in die falsche Richtung.



Der TPS Empirismus ist die Basis all unseres Curriculums. Wir müssen zuerst wissen, welche Angriffe geschehen können und wie man dafür trainieren muss.
Statistisch wissen wir, dass nur für Selbstverteidigung zu trainieren an Paranoia grenzt. Daher sollte diese eigentlich nicht der Hauptgrund sein.

Weiters muss man unterscheiden zwischen den 3 möglichen Szenarien:

3Sekundenkampf Duellkampf Attentat

Diese Unterscheidung ist für die Auswahl des Curriculums äußert wichtig, weil man sonst anfängt, Personen die sich selbst verteidigen können wollen eine Kampfdeckung zeigt, obwohl man diese praktisch nie in der Selbstverteidigung braucht.

Die meisten Menschen glauben, dass Selbstverteidigung kämpfen ist, jedoch stimmt das nur am Rande. Im Sinne der Gesamtübersicht ist es nötig, einen simplen Weg zu vermitteln, wie effektive Selbstverteidigung funktioniert. Dies geschieht durch unseren Gameplan, welches übersetzt "Schlachtplan" bedeutet.

Aufmerksamkeit
Fence
Präventivtechnik
Reservesystem

Diese 4 Eckpfeiler sind die einfachste Version des Schlachtplanes, der der "Protection Pyramid" von Geoff & Peter nachempfunden sind. 90% aller SV Situation kann man verhindern, wenn man Aufmerksam ist und einen guten Fence hat.

Für alle "Was wenn?" Situationen gibt es das Reservesystem, welche durch die Kampffähigkeiten & Fertigkeiten im Stand, Ring und Bodenkampf abgedeckt werden.

Die Techniken des Reservesystems werden die meiste Zeit im Training trainiert und machen besonders großen Spaß. Nur wie vermittelt man das Material? Zuerst alle Schläge (Faust, Handballen, Handkante, Hammerfaust usw.) dann alle Tritte (Schienbeintritte, Fersentritte, Kreistritte usw.) gemäß des Linienmodelles lernen ?

Mitnichten!

"Ich fürchte nicht den Mann, der 10 000 Tritte einmal geübt hat, aber ich fürchte den Mann, der einen Tritt 10 000-mal geübt hat." Bruce Lee

Das Sammeln von Techniken ist ein klassisches Problem vieler Kampfkünste. Dies wird oft durch die sogenannte "Technikgier" der Anfänger noch verstärkt, die in der ersten Phase einfach soviele Techniken wie möglich lernen wollen, bis sie dahinter kommen, dass die Anzahl der Techniken vorerst nicht entscheidend für die Kampfkraft ist.



Ein weiters Problem ist das des Lehrens von "attributsbasierender" Techniken. Attributsbas. Techniken sind fortgeschrittene Techniken, die meist recht unsichere Abkürzungen von bewährten Techniken sind und Attribute wie Erfahrung oder überlegene Statur benötigen um eingesetzt zu werden. Diese können ein schnelleres Ergebnis erzielen, sind jedoch gefährlich in der Umsetzung.

Im Standkampf sind Schlagtechniken die wirksamsten Werkzeuge, im Gegensatz zu Tritt und Ringertechniken. Das liegt vor allem daran, weil es leichter fällt jemanden mit der Hand kampfunfähig zu machen, ohne dass man sein Gleichgewicht wie bei Tritten in Gefahr bringt oder sich durch Ringen an einen Gegner bindet.

Man darf aber nicht dem Trugschluss erliegen, nur weil Ringen in der SV problematisch sein kann, dass dieses deswegen nicht geübt werden darf. Man muss dies ebenfalls üben. Ein Kampfverhalten ist wichtiger, als theoretisch genau abgestimmte Abwehrtechniken. Vor allem dann, wenn diese Abwehrtechniken als tote Bewegungsmuster trainiert werden (müssen).

Was trainieren wir?

Alle wichtigen Positionen und Konzepte werden mit dem Fun5 Modell gelehrt. Wir isolieren also die 5 wichtigsten Punkte und vermitteln diese anschließend.

Z.b. Bei der Position "Sidecontrol" sind die Fun5:

Kontrolliere den Oberkörper
Blocke die Hüfte mit Knie, Hand oder Hüfte
Kille den Innenarm
Kontrolliere den entfernten Ellbogen
Bewege dich

Dies stellt sicher, dass man sich nicht in spektakulären aber weniger wichtigen Techniken verliert. In der TPS trainieren wir zuallererst eine gute Basis im Schlagen, Ringen und Treten an, wobei wir Wert auf die richtige Anwendung im Kontext legen.


Aufmerksamkeit vor
Deeskalationstechniken vor
Präventivtechniken vor
Schlagtechniken vor
Ringtechniken vor
Bodenkampf



Vermittelt wird das den sechs Haupthaltungen, die auch Kampfstellungen genannt werden:

Fence
Glöckner
Greco
Freistil
Buttscooter
Vale Tudo Open Guard


Diese stellen die Basis her aus denen alle Techniken erfolgen. Auch wenn man eine längere Traingszeit hinter sich hat, die Techniken für die Selbstverteidigung verändern sich kaum. Es sind wenige Techniken, die sehr wirksam sind.

Wenn wir über die Basis hinausgehen so können auch spektakulärerer Tritte (Highkicks, Kreistritte usw.) geübt werden für den Duellkampf. Man kann sich mit der Zeit immer mehr erlauben, "attributsbasierend" zu kämpfen. Dies bieteten eine schier unzählige Anzahl an Möglichkeiten, was aber immer in den Fundamenten fußt.

Kann man mit einem Kreistritt jemanden ausknocken? Rein mechanisch ist das kein Problem, nur die letztendlich entscheidende Anwendungseffektivität ist nur mit viel Übungen zu erreichen.

Fähigkeiten & Fertigkeiten

Naturgemäß hat man meist mehr Fähigkeiten als Fertigkeiten und wir trainieren eine gute Boxgrundschule mit einem zweigleisigen Stand.

Als Fähigkeiten bauen wir Jab, Cross, Haken, Aufwärtshaken und Körperhaken auf und konzentrieren uns auf Jab, Cross die wir als Fertigkeiten aufbauen. Das hat vor allem den Grund, dass es (wie in jedem Thema) Sportler gibt die schnell lernen und welche die nicht so schnell lernen.

Dadurch kann der schnellere schon mehrere Techniken als Fähigkeiten aufbauen, nachdem er bereits die geraden Hauptwaffen (Jab, Cross) gelernt hat. Wir halten es mit dem gesamten Curriculum so: Mehrere Fähigkeiten, wenige Fertigkeiten die man nicht vergessen kann.