warumkampfsport


Wie trainieren wir?

Kampfsport ist vollbehaftet mit Stereotypen. Als Laie verbindet man damit gerne das "uaooooo" von Bruce Lee und wenns hochkommt, dann ist Chuck Norris auch ein Begriff. Was verbindet man dann gewöhnlich mit Kampfsportraining?

Stiernackige, tätowierte Proleten die sich gegenseitig niederschlagen und dabei Freude empfinden? Je nach dem welches System und vor allem welchen Verein man wählt, wird man auf ein unterschiedliche Klientel treffen.

Das Bild der Öffentlichkeit über Kampfsport ist oft mit Klischees verbunden:

Boxen, Kickboxen & Thaiboxen (wenn man sich des Unterschiedes überhaupt bewusst ist) sind Sportarten für gewaltbereite Proleten während Judo, Karate und Kung Fu sanfte Sportarten für Körper und Geist sind.

Bedingt durch solche und ähnliche Klischees kommt es zu einer "sich selbsterfüllenden Prophezeiung". Ein gewisser Menschenschlag fühlen sich von dem Bild angesprochen, welches (vermeintlich) propagiert wird und identifiziert sich damit.

Wer glaubt, dass Boxen ein echter "Männersport" ist, wo man sein Männlichkeit beweisen kann, der sieht sich selbst als Teil dieses Bildes und wenn der Verein durch so eine Sichtweise geprägt ist, dann ist man als Anfänger, der dieses Bild nicht besitzt in einer Welt gelandet, aus der man wieder aussteigen möchte.

Wenn man dann von Bekannten angesprochen wird und man diesem erzählt, dass "dort nur Proleten waren" dann festigt sich das Bild in der Öffentlichkeit, nicht zuletzt propagiert durch die Medien.

Ende eines Pratzenlaufes - Härte zu sich selbst.


Es gibt sogar Kampfkünste, die werben damit das "man sich bei uns intelligent zu verteidigen lernt, im Gegensatz zum Boxen wo man nur stupide draufschlägt".

In vielen traditionellen Vereinen herrscht (bedingt durch die Tatsache, dass kein echter Fokus auf praxisnahem Kampftraining vorhanden ist) eine wesentlich angenehmere Stimmung. Das liegt daran, weil man mehr damit beschäftigt ist, mit toten Bewegungsmustern eine Art Beschäftigungstherapie zu absolvieren als tatsächlich mit jemanden zu kämpfen, bei dem man(n) sein Ego konfrontieren könnte.

In der TPS wollen wir die gute Stimmung eines traditionellen Kampfkunstvereines, mit praxisnahem Training verbinden.


Wir beginnen das Training mit einem lockeren Zusammensitzen in Kreis, wo wir kurz über organisatorisches, philosophisches oder über eine Kampftheorie sprechen. Im Gegensatz zu traditionellen Systemen, sitzen wir nicht in einer bestimmten Position sondern jeder kann so sitzen wie es ihm bequem erscheint.

Es geht auch ganz anders. Man könnte auch in einer Reihe sitzen, nach Rang aufgestellt und das es verpönt ist, dass man seine Hände benutzt um sich abzustützen. Für jemanden, der das nicht kennt ist es unbegreiflich warum das Aufstützen der Hände beim Schneidersitz eine "Respektlosigkeit" sein soll, die der "Meister" durch einen abwertenden Blick (oder gar Liegestütz) abstraft.

Respekt erhält man aber nicht durch unnütze Rituale sondern Respekt muss man sich erarbeiten. Man fordert aus unserer Sicht keinen Respekt durch seinen Status, sondern man erarbeitet sich diesen, sowohl als Sportler wie als auch Coach.

Wenn wir (z.B.) durch Laufen aufwärmen, dann ordnen wir uns nicht nach Rang sondern so wie Linie hinter dem Vortragenden eben entsteht. Es passiert durchausmal, dass der Coach sich auch mal in der Mitte oder am Ende der Schlange wiederfindet, wenn man beim Richtungswechsel einen anderen Weg einschlägt.

Das Hierachiedenken kommt oft nach dem Motto "Wer mehr Techniken weiß ist höherrangig!" zustande, wonach jeder der weniger weiß daher auch in der Rangfolge untergeordnet und daher HINTER dem Höhergraduierten laufen muss.

Wir sehen uns in der TPS jedoch als gleichwertige Sportler und halten uns von Pseudohierachien aus antiken Gesellschaften fern.

Nach dem gemeinsamen Aufwärmen wird die Gruppe in Anfänger und Fortgeschrittene unterteilt. Bei Anfängern achten wir auf das vorsichtige Heranführen an die Thematik, wobei Spaß den entscheidenden Faktor darstellt.


Selten aber doch - Resultat einer Lowkickhabituation.


Es ist nicht unüblich, dass selbst in manchen praxisorientierten Vereinen Anfänger eine Technik "hingeworfen" wird, welche diese dann 1,5 Stunden üben sollen. Viele Anfänger können aber das Gesamtbild noch nicht verstehen und langweilen sich beim Üben von Techniken die sie noch nicht einordnen können.

Auch die Technikgier, die recht typisch für Anfänger muss man berücksichtigen, wenn man diese motiveren will. Natürlich zeigt man nicht jede Minute eine neue Technik, sondern es gilt eine gute Mitte finden.

Anfänger, die mit dem typischen Problem der Schlaghemmung oder auch der Angst, getroffen werden zu kämpfen haben muss man behutsam heranführen. In Wettkampfboxgyms kommt es vor, dass man Anfänger gleich mal in den Ring und ins Sparring schickt um deren Durchhaltewillen zu testen, damit die Trainer erkennen können ob der Anfänger das Zeug zum Kampfboxer hätte.

Durch diese Methode schreckt man aber jeden ab, der nicht von vorneherein ein Kämpfertypus ist, daher ist diese Methode für die TPS ungeeignet. Wir schicken Anfänger nicht direkt in so ein Sparring, was aber nicht bedeutet, dass man mit einem Anfänger selbst am gleichen Tag ein Sparring machen kann.

Man muss nur wissen, WIE man mit Anfängern richtig sparrt um diese zu motivieren, mehr zu lernen.

Wie vermitteln wir unser Material?


Fun5 der TPS Materialvermittlung:

Fundament vor Vielfalt
In der Reihenfolge wies im Sparring auftritt
Probleme nicht kreieren
Basis / Haltung / Möglichkeiten
Zeigen Isolieren Einfügen am selben Tag

1. Fundament vor Vielfalt
Wir vermitteln Angewohnheiten & Techniken grundsätzlich erfahrungsbasierend und nicht technikbasierend.

2. In der Reihenfolge wies im Sparring auftritt
Techniken werden nicht einfach hingeworfen sondern nach einer Struktur gezeigt, welche direkt ins Sparring übernommen werden können. Das klingt zwar grundsätzlich logisch, wird aber nicht in jedem Verein so gemacht. Bevor wir unzählige Kombinationen zeigen, vermitteln wir die Dinge, die man wissen muss bevor man sparren kann.

3. Probleme nicht kreieren
Wir lassen den Sportler selbst auf Fehler draufkommen (z.B. zeigen wir keine Abwehr gegen Techniken die noch nicht vorkommen), weil man sich sonst auf die falschen Dinge konzentriert. Wer darauf wartet, dass der Gegner mit Technik x kommt damit man Abwehrtechnik Y einsetzen kann verliert den Fokus im Kampf.

4. Basis / Haltung / Möglichkeiten
Die Abschussmethode unserer Liefersysteme kann wie ein Baum erklärt werden. Die Basis sind die Wurzeln, der Stamm die Haltung und die Blätter die Möglichkeiten. Blätter machen keinen Baum aus.

5. Zeigen, Isolieren & Einfügen am selben Tag
Das bedeutet, dass wir jede Technik am selben Tag durch eine Zeigen, eine Isolations und eine Einfügenphase (Sparring) bringen. Ansonsten sammelt man nur Techniken und vergisst sie anschließend wieder. Unser Ziel ist, die Technik die man am selben Tag gelernt hat im Sparring anzuwenden.

Unser Material vermitteln wir zusätzlich mit der Schattierungsmethode auf die wir an anderer Stelle mehr eingehen werden.